Tagesmutter in Österreich und der Schweiz

Ähnlich wie in Deutschland, gibt es auch in den Nachbarländern Österreich und Schweiz Bemühungen die Kindertagespflege durch Tagesmütter zu professionalisieren. Denn zurzeit hat der Beruf Tagesmutter in Deutschland eher das Image einer Berufung als einer qualifizierten Tätigkeit. Dies mag einerseits daran liegen, dass laut geläufiger Meinung prinzipiell jeder dazu geeignet ist, Kinder zu beaufsichtigen und zu erziehen. Insbesondere Frauen wird dieses natürlich bedingte Know-how zugeschrieben. Andererseits trägt die Uneinheitlichkeit und mangelnde Übersichtlichkeit in diesem Bereich zu dieser Auffassung bei.

Einheitliche Regelungen statt „Vorschriftensalat“

Frau denkt über Gesetze nach

Ungeachtet dessen, benötigt die Tagesmutter ein gehöriges Maß an Erfahrung, um Verantwortung für fremde Kinder zu übernehmen. Deshalb gibt es in Deutschland mittlerweile bundesweit verbindliche Basisregelungen für die Profession der Tagesmutter. Dazu gehört nicht nur die Zulassung durch das Jugendamt, sondern ebenso die Absolvierung bestimmter Kurse zum Thema Erziehung.

Trotzdem kann man nicht von einer geregelten Ausbildung sprechen: Welchen Stoff die Qualifizierungskurse schlussendlich vermitteln sollen, welche Stundenzahl bei der Ausbildung als ausreichend angesehen wird, welche Inhalte obligatorisch sind oder ob nach dem Abschluss die Fortbildung verpflichtend ist, wird von jedem Jugendamt separat festgelegt. Insofern sind die Erfordernisse diesbezüglich uneinheitlich.

Ziemlich gleich verhält es sich mit der Situation in Österreich und in der Schweiz. In beiden Ländern weist die Familienpolitik eine starke föderalistische Komponente auf, weshalb es auch hier keine landesweiten, einheitlichen Regelungen für die Arbeit als Tagesmutter gibt.

Tagesmutter in Österreich

In Österreich schreibt das Gesetz eine Grundausbildung für Tagesmütter vor. Diese umfasst 300 theoretische sowie 160 praktische Einheiten. Angehende Tagesmütter erlernen hier Techniken der Kommunikation und Konfliktlösung, Erste-Hilfe-Maßnahmen für Kinder, Unfallverhütung, haben die Möglichkeit ihre pädagogischen Fähigkeiten zu trainieren und erhalten ebenfalls praktische Hilfe in organisatorischen oder rechtlichen Fragen.

Der Nachweis dieser Grundausbildung reicht aus, um die Tätigkeit als Tagesmutter auszuüben zu dürfen. Dennoch gibt es auch in Österreich keine Qualitätsstandards, die landesweit gelten würden. Die Kinderbetreuung fällt in den Zuständigkeitsbereich der einzelnen Bundesländer, deren Verordnungen und Gesetze hinsichtlich Ausstattung und Größe der Räumlichkeiten, Qualifikation der Tagesmutter, Gruppengröße etc. erheblich variieren.

Tagesmutter in der Schweiz

Hand mit Geldscheinen

In der Schweiz obliegt die Verantwortung für Kinderbetreuung und Schulwesen beinahe ausschließlich den einzelnen Gemeinden und Kantonen. Da die Aufgaben zwischen den Gemeinden, Kantonen, privaten Organisationen und dem Bund verteilt sind, sind ebenfalls die einzelnen Maßnahmen relativ stark zersplittert. So klaffen mancherorts die Stundenlöhne extrem auseinander: während manche Tagesmütter 3 Franken pro Kind und Stunde erhalten, bekommen andere 11 Franken! Manche Gemeinden lassen einkommensschwachen Familien finanzielle Hilfe zukommen, andere wiederum nicht.

Die Aufgaben, die in Deutschland das jeweilige Jugendamt übernimmt – zum Beispiel die Vermittlung zwischen Tagesmutter und Familien –, fallen in der Schweiz sogenannten Tagesfamilienorganisationen oder Tageselternvereinen zu. Diese setzen jeweils unterschiedliche Maßstäbe für die Eignung und Qualifikation der Tagesmütter.

Tatsächlich gibt es in jeder Region eine derartige Organisation, die sowohl Vermittlungs- als auch Kontaktstelle für Familien und Tagesmütter ist. Zudem kommt, dass diese nicht nur Kinder an Tagesmüttern vermitteln, sondern ebenso Tagesfamilien während des gesamten Betreuungsverhältnisses begleiten.

Die Tagesfamilienvereine nehmen als Kontrollinstanz in der Schweiz eine wesentliche Rolle ein, da sie allem voran die Tagesmutter absichern: Die Tagesmutter schließt mit der Tagesfamilienorganisation einen Arbeitsvertrag ab, sie ist über die Organisation bzw. den Verein versichert und erhält ihren Lohn auch dann, wenn die Eltern nicht imstande sind für die erbrachten Leistungen zu zahlen.