Tagesmutter Ausbildung – Qualifikation und Fortbildung

Qualifikation zur Tagesmutter

Die Ausbildung zur Tagesmutter erfordert die sogenannte Qualifizierungs- und Prüfungsordnung für Tagespflegepersonen. Das „Tagespflege Curriculum zur Qualifizierung von Tagespflegepersonen“ ist ein Lehrplan aus dem Jahr 1994. Dieser wurde vom Bundesverband als Werkstattausgabe veröffentlicht und 1996 verabschiedet. Das Curriculum gliedert sich in fünf große Bestandteile, welche zu einem pädagogischen Berufsabschluss führen sollen.

Für die Zertifikatsvergabe sind zwei Bausteine erforderlich: Der Vorbereitungskurs und die Basisqualifizierung. Beide zusammen machen 160 Unterrichtsstunden aus.

Mit Hilfe des Deutschen Jugendinstituts (DJI) kam es von 1998 bis 2001 zu einem bedeutsamen Projekt: „Entwicklung und Evaluation curricularer Elemente zur Qualifizierung von Tagespflegepersonen“.

Das daraus entstandene sogenannte DJI-Curriculum ist seit 2007 das Fundament für die Vergabe der Zertifikate gemäß der Qualifizierungs- und Prüfungsordnung für Kindertagespflege. Tausende Kindertagespflegepersonen dürfen sich dank der erfolgreichen Zusammenarbeit nun „Qualifizierte Kindertagespflegeperson“ nennen.

Die Prüfungsordnung

Wesentliche Bestandteile der Prüfungsordnung sind:

  • Qualifizierung nach dem DJI-Curriculum:
    • umfasst 160 Unterrichtsstunden à 45 Minuten
    • Fehlstunden werden nur bis zu 10 Prozent toleriert
  • Kolloquium:
    • mündliches Fachgespräch
    • ein bis maximal drei Personen
    • Prüfungszeit bei Einzelgespräch: 15-30 Minuten
    • Prüfungszeit bei Gruppengespräch: 45-60 Minuten
  • Leistungsnachweis
  • Zertifikatsvergabe

Das DJI-Curriculum

Das aktuell vorliegende DJI-Curriculum umfasst unterschiedliche Themenpakete. Dabei gliedern sich die 160 Unterrichtsstunden in 30 Stunden Einführungsphase und 130 Stunden Vertiefungsphase.

Die Einführungsphase beinhaltet folgende Themen:

  • Kindertagespflege aus Perspektive der Tagesmutter
    • Erwartungen, Aufgaben und Alltag der Tagesmutter
    • Grundlagen der Kindertagespflege aus rechtlicher und finanzieller Sicht
  • Kindertagespflege aus Perspektive der Kinder
    • Leben in zwei Familien
    • Eingewöhnungsphase
  • Kindertagespflege aus Perspektive der Eltern
    • erster Kontakt mit den Eltern
    • Grundlagen der Kindertagespflege aus rechtlicher und finanzieller Sicht

BücherstoßDie Vertiefungsphase beschäftigt sich mit:

  • Förderung von Kindern
  • Entwicklung von Kindern
    • Was gehört zu einer guten Entwicklung?
    • Wahrnehmung von Kindern im Pflegealltag – beobachten und dokumentieren
    • Umgang mit Kindern bezogen auf individuelle, kulturelle und geschlechtsspezifische Aspekte
  • Betreuung von Kindern
    • Sicherheit: Gefahrenquellen drinnen und draußen kennenlernen
    • Gesunder Alltag: Ernährung etc.
  • Erziehung
    • Tagesseminare: richtige Erziehung bzw. wie wurde ich erzogen, positive Beziehung zum Kind
    • schwierige Erziehungssituationen
    • Schutz vor sexuellem oder physischem Missbrauch
  • Besondere Herausforderungen
    • Zurechtkommen mit eigenen- und Tageskindern
    • Haushalt und Kindern gemeinsam gerecht werden
    • Verabschieden von Pflegekindern
  • Bildung
    • Bildungsauftrag, Themen und Pläne
    • Bücher und Medien
    • soziale Beziehungen
    • Räume und Orte zur Entwicklung
    • spielerisches Fördern
  • Zusammenarbeit zwischen Tagesmutter und Eltern
    • Nähe und Distanz
    • Erziehungspartnerschaft
    • Rollen der “beiden” Mütter
    • Schweigepflicht
    • Tagesseminar: Umgang mit Konflikten
    • Kommunikation zwischen Tagesmutter und Eltern
  • Arbeitsbedingungen
    • Grundlagen der Kindertagespflege aus rechtlicher und finanzieller Sicht
    • Auseinandersetzung mit dem Beruf Tagesmutter
  • Reflexion
    • Rückblick auf den Kurs
    • Vorbereitung auf das Abschlusskolloquium
    • Abschlussabend

Um die Qualität der Betreuung, Förderung, Erziehung und Begleitung von Tageskindern zu gewährleisten, sollte nach der Zertifikatsvergabe alle zwei Jahre eine Fortbildung erfolgen. Zudem bauen Sie auf diese Weise sowohl Ihre Kompetenz als auch Ihr Angebot aus und werden dadurch auf dem Markt gefragter.

Fortbildung

Klären Sie die Möglichkeiten der Fortbildung immer mit dem zuständigen Jugendamt ab, da die Regelungen im Bereich der Kindertagespflege regional variieren. Das Jugendamt gibt Ihnen Auskunft darüber, wie viele Stunden Sie benötigen bzw. welche Träger diesbezüglich anerkannt sind.

Menschen sitzen bei einem KursFortbildung durch das Jugendamt

Tagesmütter, die beim Jugendamt gemeldet sind und von diesem die Tageskinder zugeteilt bekommen, werden automatisch über Seminare, Kurse und Vorträge informiert. Manche Jugendämter bieten sogar selbst Weiterbildungskurse an, welche sich um Themen wie Kindertagespflege, Entwicklung, Erziehung, Pflege und Versorgung von Kleinkinder usw. drehen.

Regionale Fortbildungsprogramme

Hamburg beispielsweise bietet ein kostenloses dreistufiges Programm zur Qualifizierung von Tagesmüttern an. Dieses behandelt ein breites Spektrum an Themen aus Bereichen wie Gesundheit, Psychologie, Pädagogik, Organisation, Kommunikation und Recht. Des Weiteren ist es in unterschiedliche Qualifizierungsstufen gegliedert, die sich an die verschiedenen Erfahrungshintergründe der Tagesmütter richten. Wer die dritte und letzte Stufe des Qualifizierungsprogramms mit einer weiteren Vertiefungsphase und einem Kolloquium abschließt, gilt als „langzeitqualifiziert“.

Alternativen suchen

Natürlich gibt es noch weitere Optionen, wie Sie Ihre Kompetenzen als Tagesmutter erweitern können. Eine Alternative stellt zum Beispiel der Besuch von Kursen freier Träger dar. Mütterzentren, Kirchengemeinden, Volkshochschulen, Tageselternvereine, Erwachsenenbildungseinrichtungen oder Familienbildungsstätten informieren Sie über aktuelle Kursangebote.

Alternativ können Sie auch ein Fernstudium zum Thema „Kindererziehung“ aufnehmen. Viele kommerzielle Anbieter haben Lehrgänge mit solchen Schwerpunkten im Angebot. Zudem ermöglicht ihnen diese Option eine flexible, zeit- und ortsunabhängige Qualifizierung.

Und wer finanziert diese Qualifizierungsmaßnahmen?

In der Regel sind die Kosten für die Ausbildung von der Tagesmutter zu tragen. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, beim zuständigen Jugendamt einen Antrag auf Kostenzuschuss oder sogar eine Kostenübernahme zu stellen. In manchen Städten sind die Qualifizierungsprogramme kostenlos zugänglich. Die Informationen dazu bekommen Sie bei den zuständigen Stellen.

Profitieren Sie vom Wissen „alter Hasen“

Werfen Sie das Konkurrenzdenken über Bord und pflegen Sie gute Kontakte zu anderen Tagesmüttern! Dies ist eine tolle Art den eigenen Erfahrungsschatz zu erweitern. Der professionelle Meinungsaustausch bietet nicht nur neue Anregungen für die individuelle Angebotsgestaltung – die erfahrenen Tagesmüttern geben Ihnen ebenso gerne wertvolle Tipps zu Erziehungs- und Beschäftigungsfragen mit auf den Weg.