Praxistipps für Tagesmütter

In der Praxis der Kindertagespflege können noch etliche Herausforderungen auftauchen, sowohl für die Tagesmutter selbst als auch die Eltern und Kinder. Dennoch kann die Tagesmutter mit der Beachtung der folgenden Punkte – vom ersten telefonischen Kontakt über Verträge bis hin zur richtigen Verabschiedung – maßgeblich zum guten Gelingen beitragen.

Vorvertrag und Dokumente

Mann unterschreibt Vertrag

Falls es noch einige Zeit dauern sollte, bis die Betreuung beginnt, ist es ratsam sich als Tagesmutter einen Vorvertrag von den Eltern unterfertigen zu lassen. Gegebenfalls kann auch eine Kaution erhoben werden, um sich vor kurzfristigem Abspringen der Eltern zu schützen. Die Kaution kann ebenso zur Überbrückung des Verdienstausfalles verwendet werden – bis Sie wieder ein neues Tageskind gefunden haben.

In etwa zwei bis vier Wochen vor dem Betreuungsstart können Sie bereits mit den Eltern den regulären Tagesmuttervertrag unterzeichnen. Achten Sie darauf, dass zum Zeitpunkt der Vertragsunterfertigung alle wichtigen Dokumente sowie Unterlagen vorliegen, so zum Beispiel der Impfausweis des Kindes. Wir empfehlen ebenso von allen wichtigen Dokumenten Kopien anzufertigen und aufzubewahren, beispielsweise von der Versichertenkarte des Tageskindes.

Tagesmuttervertrag

Damit für ein geregeltes Verhältnis zwischen Ihnen und den Eltern gesorgt ist und nicht zuletzt Sie selbst rechtlich geschützt sind, sollte immer ein Tagesmuttervertrag abgeschlossen werden. Dieser ist keinesfalls als Anzeichen von Misstrauen zu deuten! Auch wenn Sie sich mit den Eltern gut verstehen bzw. diese gut kennen, ist es äußerst hilfreich einen abzuschließen, da darin die relevantesten Punkte schriftlich festgehalten und auf diese Weise eventuelle Missverständnisse bereits im Vorfeld geklärt werden können.

Vorlagen für Tagesmütterverträge können Sie entweder bei entsprechenden Verbänden beziehen oder auch im Internet herunterladen.

Diese Punkte sollte ein Tagesmuttervertrag unbedingt beinhalten:

  • Daten der Vertragspartner
  • Bring- und Abholzeiten wie auch die dazu Berechtigten
  • Krankheiten und Allergien des Tageskindes
  • Zahlart und Höhe des Tagespflegegeldes
  • Betreuung im Krankheitsfall des Tageskindes
  • Urlaub und krankheitsbedingter Ausfall der Tagesmutter
  • Krankenversicherung des Kindes und weitere Versicherungen
  • Zeitraum der Tagespflege
  • individuelle Absprachen zwischen Tagesmutter und Eltern

Klären Sie mit den Eltern ebenso bestimmte Vollmachten, zum Beispiel für den Fall, dass das Kind krank wird und Sie mit ihm einen Arzt aufsuchen müssen.

Erstgespräch

Die allererste Kontaktaufnahme zwischen Eltern und Tagesmutter besteht zumeist in einem Telefonat. Bereits auf diesem Wege können die wesentlichsten Punkte abgeklärt und vor allem auch schon beurteilt werden, ob alle Beteiligten zusammenpassen. Zu persönliche Themen oder die Frage der Bezahlung müssen nicht in diesem Rahmen besprochen werden. Eine derartige Kontaktaufnahme ist jedoch ein wichtiger Schritt um festzustellen, ob sich alle Beteiligten sympathisch sind und ob die Vorstellungen Ihres Angebots auch den Eltern entsprechen.

Sind sich beide Seiten erstmal sicher, dass sie zusammenarbeiten wollen, ist der nächstlogische Schritt das Erstgespräch. Dieses sollte da stattfinden, wo das Kind zukünftig betreut werden soll, im Normalfall also im Haus der Tagesmutter. Die Eltern sollten zu diesem Erstgespräch ihr Kind bzw. Kinder mitnehmen, da es einerseits die Vertrauensbildung zum Tageskind fördert, andererseits auch dem Kind erlaubt sein neues Umfeld kennenzulernen. Sollten Sie sich als Tagesmutter bei den anfänglichen Erstgesprächen unsicher fühlen, zögern Sie nicht die Unterstützung eines Jugendamtmitarbeiters in Anspruch zu nehmen. Zu deren Aufgaben gehört es nämlich auch, Erstgespräche zu begleiten. Womöglich werden Sie auch noch einen zweiten Termin mit den Eltern vereinbaren müssen – diesmal aber ohne Kind –, um in Ruhe Formelles durchzubesprechen und das Vertragliche zu regeln.

Die Eingewöhnungsphase

Idealerweise sollte die Erstphase der Eingewöhnung von den Eltern bzw. einem Elternteil begleitet werden. Das Kind kann sich auf diese Weise allmählich an die neue Umgebung und die fremde Tagesmutter gewöhnen, hat aber noch immer eine vertraute Bezugsperson in greifbarer Nähe. Nichtsdestotrotz sollten sich die Eltern dabei dezent im Hintergrund halten. Ebenso ist es bei ersten Probe-Abschieden ratsam, dass die Eltern in Reichweite bleiben, nachdem sie sich liebevoll und dennoch bestimmt von ihrem Schützling verabschiedet haben. Nach kurzer Zeit können sie wieder zurückkommen, damit das Kind lernt, dass es den Abschied nicht zu fürchten braucht.

Die Dauer der Eingewöhnungszeit ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Die meisten Kinder haben sich jedoch nach ein bis zwei Wochen gänzlich eingewöhnt. Es ist am Anfang ebenfalls empfehlenswert die Betreuungszeiten kürzer zu halten, bis das Kind die Tagesmutter vollständig akzeptiert hat.

Die Eingewöhnungsphase sollten Sie gut mit den Eltern durchplanen, auch was die Bezahlung anbelangt. Es ist durchaus üblich für diese Zeit das Betreuungsgeld in voller Höhe zu berechnen.

Kommunikation ist alles

Sowohl im Vorfeld als auch während der Betreuung sollten Sie sich mit den Eltern über Vorlieben, Angewohnheiten, Regeln sowie Vereinbarungen austauschen. Es wäre grundsätzlich vom Vorteil, wenn sich Ihre Vorstellungen von Erziehung mit denen der Eltern decken, das reicht von Themen wie Süßigkeiten bis hin zum Fernsehen. Falls während der Tagespflege etwas den Betreuungsablauf stört, sollte das in regelmäßig stattfindenden Gesprächen geklärt werden. Sprechen Sie stets sachlich, aber freundlich mit den Eltern des Tageskindes. Eine klare Rollenverteilung und gegenseitiger Respekt sind die Erfolgszutaten für eine gelungene Kommunikation. Es versteht sich von selbst, dass Vereinbartes eingehalten und Punkte des Tagesmuttervertrages befolgt werden, wie etwa die Abholzeit.

Der Abschied von der Tagesmutter

Vater und Kind winken der Tagesmutter

Es wird empfohlen im Tagesmuttervertrag eine Kündigungsfrist von mindestens vier Wochen zu vereinbaren. Da der bevorstehende Abschied rechtzeitig bekannt ist, sollte dies auch dem Kind mitgeteilt werden. Es gehört unter anderem zu den Aufgaben einer Tagesmutter das Tageskind auf diesen Abschied vorzubereiten und diesen Übergang so angenehm zu machen wie nur möglich.

Eine allmähliche Reduktion der Betreuung durch die Tagesmutter bietet hierbei eine optimale Lösung. So kommt es zu keinem abrupten Bruch mit der doch mit der Zeit liebgewonnenen Tagesmutter. Falls möglich und erwünscht, können nach Beendigung der Betreuungszeit auch gelegentliche Besuche vereinbart werden, damit das Kind den Kontakt zur Tagesmutter nicht ganz verliert.